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Glossar — Begriffe rund um die Wohnmobilzulassung

Kurze, verständliche Definitionen aller Fachbegriffe, die dir bei der TÜV-Eintragung deines Selbstausbaus begegnen. Mit Verweisen auf vertiefende Artikel, Bauteil-Datenbank und Bundesland-Profile.

§ Zulassung & Recht

StVZO §21Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung
Paragraph zur Einzelbetriebs­erlaubnis. Schreibt vor, dass jedes Fahrzeug, das nicht durch ABE oder EG-Typen­genehmigung abgedeckt ist, vor der Zulassung von einem amtlich anerkannten Sachverständigen geprüft werden muss. Volltext: gesetze-im-internet.de.
FZV §2 Nr. 21Fahrzeug-Zulassungs-Verordnung
Definiert was ein Wohnmobil ist: Klasse-M-Fahrzeug mit Sitz, Tisch, Schlafgelegenheit, Kochgelegenheit und Stauraum — alles fest installiert. Diese fünf Pflicht­merkmale sind die Grundlage jeder DIY-Eintragung. Mehr dazu im Leitfaden Wohnmobilzulassung in Deutschland.
Wohnmobil-CharakteristikAuch: Wohnmobil-Eintragung
Der formelle Akt, bei dem ein Sachverständiger bestätigt, dass dein ausgebautes Fahrzeug die FZV-Mindestmerkmale erfüllt. Daraus entsteht ein Eintragungsbescheid, mit dem die Zulassungsstelle den Fahrzeugbrief auf „Wohnmobil" ändert.
SachverständigerAuch: Prüfer, Gutachter
Amtlich anerkannte Person bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS, die Änderungs­abnahmen durchführt. Verschiedene Prüfer haben unterschiedliche Auslegungs-Schwerpunkte — siehe Bundesländer-Matrix.
Einzelabnahmenach §19 (2) StVZO
Voll­ständige technische Abnahme eines Bauteils oder Fahrzeugs ohne ABE oder TG. Aufwendiger als Standard-Eintragung — typisch bei Aufstelldächern, Hochdach-Eigenbau, Karosserie-Eingriffen. Gebühr i.d.R. 220–480 € zusätzlich.
Eintragungs-IndexEigene Methodik
Unsere gewichtete Kennzahl pro Bundesland (1.0–4.0) aus 4 Sub-Metriken: 40 % Ablehnungs­quote, 30 % Nachforderungs­quote, 15 % Wartezeit, 15 % Doku-Tiefe. Methodik: Bundesländer-Matrix.

§ Bauteile & Doku

ABEAllgemeine Betriebs­erlaubnis
Hersteller-Genehmigung, die ein Bauteil ohne Einzelabnahme einbaufähig macht. Mit ABE ist die Eintragung formal trivial — du legst das ABE-Papier vor, der Prüfer stempelt. Gilt z.B. für viele Schlafsitzbänke, Standheizungen, Drehkonsolen.
TeilegutachtenTG · nach §19 (3) StVZO
Sachverständigen-Gutachten zu einem Bauteil. Macht den Einbau in dein Fahrzeug eintragungs­fähig, sofern Auflagen aus dem TG eingehalten werden. Häufig bei Auflastungen (Goldschmitt, VB-Airsuspension), Anhänger­kupplungen, Heckträgern. Detail-Beispiele: Bauteile-DB.
EBEEinzelbetriebs­erlaubnis
Selten genutztes Synonym für „Eintragungsbescheid" — die formale Bestätigung des Sachverständigen für genau dein Fahrzeug nach Wohnmobil-Charakteristik-Prüfung.
HUHaupt­untersuchung
Allg. „TÜV-Plakette" — alle 24 Monate, prüft Verkehrs­sicherheit. Unabhängig von der Wohnmobil-Charakteristik-Prüfung. Aktuelle HU musst du beim Eintragungs-Termin vorlegen.
FestinstallationFZV-Pflicht­anforderung
Bauteile müssen so verbaut sein, dass sie ohne Werkzeug oder unter mehr als 5 Min. Aufwand nicht entfernbar sind. Ein verschraubter Multiplex-Schrank ist festinstalliert, eine im Auto stehende Kühlbox nicht.
Brandschutz-KlasseDIN EN 13501-1
Klassifikation für Baumaterialien (B1, B2, B-s3,d0 etc.). Isolierung im Wohnbereich muss mindestens B-s3,d0 erreichen. Armaflex AF erfüllt das standardmäßig — Datenblatt zum Termin mitbringen.

§ Elektrik & Gas

BordnetzVersorgungs-Spannungssystem
Das von der Starterbatterie getrennte Versorgungs-System (typisch 12 V) für Wohnraum-Strom. Heute meist Lithium-LiFePO₄ statt Blei-AGM. Über 100 Ah brauchst du ein BMS-Datenblatt zum Termin.
BMSBattery Management System
Schutz-Elektronik in Lithium-Batterien — Über­spannungs-, Tief­entlade-, Temperatur- und Kurzschluss-Schutz. Bei Eintragung eines >200 Ah-Bordnetzes wird der Prüfer das BMS-Datenblatt sehen wollen.
Wechsel­richterDC→AC-Wandler
Wandelt 12 V Bordnetz auf 230 V Haushalts-Wechsel­strom. Ab 1 kW Leistung wird die FI-Sicherung (RCD 30 mA) und der Leitungs­schutzschalter (B16) zur Pflicht. Beliebt: Victron MultiPlus II.
FI / RCDFehler­strom-Schutzschalter
30 mA-Schutzschalter zwischen Außen­anschluss/Wechsel­richter und 230 V-Verbrauchern. Pflicht bei jedem Wohnmobil mit 230-V-Setup. Wird vom Prüfer am sichtbaren Sicherungs­kasten kontrolliert.
CEE 16ACamping-Außenanschluss-Norm
Blaue 3-polige Steckdosen-Norm für Wohnmobil-Land­strom-Anschluss. Eingang am Fahrzeug nach IP44, FI-geschützt. Vorgeschriebenes Setup: Eingang → FI 30 mA → B16-LS → Verbraucher.
G607DVGW-Gas-Prüfung
Gas-Druck- und Dichtigkeits-Prüfung für Wohnmobil-Gasanlagen, durch zertifizierte Werkstatt. Erstmals bei Eintragung, dann alle 24 Monate Pflicht. Kosten 60–90 €. Ohne aktuelle G607 keine Wohnmobil-Eintragung mit Gas.
Crash­sensorTruma MonoControl CS
Sicherheits-Sensor an Gasdruckreglern, der bei Aufprall das Gas automatisch absperrt. Bei neueren Truma-Anlagen Standard, in BY und NRW häufig als Pflicht-Dokument abgefragt.
StandheizungDiesel- oder Gas-betrieben
Innen-Heizgerät, läuft autark vom Motor. Diesel: Truma Combi, Autoterm Air 2D, Webasto Air Top. Gas: Truma Combi (Gas-Variante). Alle ABE-fähig — siehe Heizungs-Vergleich.

§ Fahrwerk & Gewicht

zGG / zGMzulässiges Gesamtgewicht / -masse
Werks-Maximum, das dein Fahrzeug wiegen darf (Fahrer, Beifahrer, Wasser, Möbel, Gepäck inkl.). Steht im Fahrzeugschein Zeile F.2. Standard: 3,5 t bei Sprinter/Crafter/Ducato — danach brauchst du C1-Schein.
AuflastungzGG erhöhen
Eintragung eines höheren zGG nach Federverstärkung oder Luftfederung. Standard­schritt: 3,5 → 3,88 t (ohne C1-Schein-Zwang für vor-1999-Führerscheine). Anbieter: Goldschmitt, VB-Airsuspension, AL-KO. Volldetail: Auflastung 3,5 → 3,88 t.
Achs­lastvorne / hinten
Maximales Gewicht je Achse. Wenn du im Heck einen 100-L-Tank verbaust, kann die Hinterachs­last über die Werksgrenze gehen — auch wenn das zGG insgesamt OK ist. Auflastung erhöht meist nur die Hinter­achs­last.
Brücken­waageEich-Waage öffentlich
Eichungs­pflichtige Wiege­einrichtung für LKW/Wohnmobile. Wiegung kostet 15–25 €. Ergebnis: „Wiegeschein leer" — wird beim Eintragungs-Termin oft nachgefragt.
Niveau­regulierungLuftfederungs-Feature
VB-Airsuspension hält das Fahrzeug bei jeder Beladung waagerecht. Komfort-Vorteil, aber technisch nicht für die Eintragung erforderlich. Hauptzweck der Auflastung ist die Last-Erhöhung, nicht das Niveau.
Zuladung= zGG − Leergewicht
Was du noch laden darfst, bevor du am zGG anstößt. Selbstausbau-Faustregel: mindestens 100 kg Reserve nach Personen + Wasser einplanen. Live rechnen: Zuladungs-Rechner.

§ Aufbau & Karosserie

AufstelldachHochfahrbares Dachsegment
Karosserie-Eingriff: Dach wird ausgeschnitten, Aufstelldach (Reimo EasyFit, SCA 194) eingesetzt. Erfordert Einzelabnahme mit Statik-Nachweis und Dichtigkeits­prüfung. Kosten 3.890–5.490 €.
HochdachWerksoption oder Eigenbau
Permanent erhöhtes Dach. Bei Werks-Lieferung (z.B. Sprinter L2H2 = Hochdach) mit eingetragen. Bei Eigen­konstruktion: aufwendige Einzelabnahme mit Statik-Bewertung. Hohe Ablehnungs-Rate.
SchlafsitzbankSitz und Bett kombiniert
Klappbare Sitz-/Liege-Kombination, oft mit ABE. VanEssa, Reimo, Variotech sind Marktführer. Gibt dir gleichzeitig 2–3 eingetragene Sitzplätze und eine Schlaf­gelegenheit.
DrehkonsoleSitz drehbar machen
Sockel unter Fahrer- oder Beifahrer­sitz, ermöglicht 180°-Drehung im Stand. Macht den Sitz im Wohn­bereich nutzbar — wichtig für die FZV-Sitzgelegenheit. Hersteller: Scopema, FASP, Brandrup.
Airline-SchieneIndustrielles Befestigungs-System
Aluminium-Schienen mit Schlitzen für Stell­schlitten. Wird im Boden verschraubt, Sitzbänke und Stau­elemente werden in die Schienen eingehängt. Crashtauglich wenn vom Hersteller mit TG geliefert. Standard im modernen Camper-Ausbau.
Zwangs­belüftungBei Gasanlage Pflicht
Permanente Lüftungs-Öffnungen im Boden des Wohnraums (mindestens 2× 100 cm²). Soll im Leck-Fall Gas ableiten bevor sich eine zünd­fähige Konzentration bildet. Fehlende oder falsch positionierte Öffnungen = häufiger Beanstandungs-Punkt.
Hinweis Begriff fehlt? Schreib uns an info@tomklemm.de — wir nehmen Lücken in einem der nächsten Quartals-Updates auf.